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Auf den Spuren von Tätern und Opfern in der NS-Zeit

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Bildungsfahrt15 izbica 4
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70 Jahre sind vergangenen, seit Nazi-Deutschland besiegt wurde und die NS-Verbrechen gestoppt wurden. Millionen Menschen litten unter Verfolgung, wurden in Lager deportiert und dort umgebracht.

Am 30. April 1942 wurde auch Dortmund erstmals zum Schauplatz der Naziverbrechen an der jüdischen Gemeinde. Auf dem Dortmunder Eintracht- Sportplatz wurden 800 Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg, darunter 172 Dortmunder, zusammengetrieben und mit dem Zug zunächst in ein Ghetto in Ostpolen und später in die Vernichtungslager deportiert. 

30 Fans von Borussia Dortmund reisten in der Sommerpause nach Ostpolen, um den Leidensweg der Deportierten aus dem Regierungsbezirk Arnsberg zu erkunden und an die Nazi-Verbrechen zu erinnern.

Die Reise führte die homogene BVB-Gruppe an sechs zentrale Orte dieser Deportation und der Gräueltaten im überfallenen Polen: nach Lublin, Izbica, Zamość, Bełżec, Majdanek und Sobibór.  

Bildungsfahrt15 izbica 4
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Der gesamte Mord-Apparat in Ostpolen, dem auch die Dortmunder Juden zum Opfer fielen, wurde aus Lublin gesteuert.

Wo einst die jüdische Bevölkerung 1/3 aller Einwohner ausmachte (rund 43.000) und die heutige Altstadt jüdisches Viertel war, richtete Heinrich Himmler das Hauptquartier für die "Aktion Reinhardt" ein. Diese Aktion hatte zum Ziel, alle jüdischen Einwohner Ostpolens und der besetzten ukrainischen Gebiete zu "vernichten". Dafür wurden von Lublin aus Konzentrations- und Vernichtungslager genauso geplant, wie Ghettos und Deportationsrouten. Außerdem wurden in Lublin die Habseligkeiten der Ermordeten registriert und teilweise auch gesammelt.

Neben den dafür nötigen Verwaltungsgebäuden für die Ordnungspolizei und die SS wurde Lublin auch zum jüdischen Ghetto, in dem Zehntausende bis zu ihrer Deportation in eines der Lager leben mussten. Dafür wurden die Lubliner Juden aus ihrem  Viertel im Stadtkern an den Stadtrand vertrieben und dieser Bereich zum Ghetto erklärt. Auch aus dem Umland und dem gesamten Dritten Reich wurden Juden ins Lubliner Ghetto gebracht.

Als eines der ersten Ghettos wurde Lublin im März 1942 "evakuiert", die Bewohner in die Vernichtungs- und Konzentrationslager deportiert. 

Im Rahmen der "Aktion Reinhardt" ermorderten die Nazis zwischen Juli 1942 und Oktober 1943 etwa zwei Millionen Menschen.
  

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Izbica, südlich von Lublin. Vor dem zweiten Weltkrieg kaum mehr als ein Dorf mit wenigen tausend Einwohnern, machten die Nazis Izbica zu einem Teil ihres Vernichtungssystems.

Die kleine Stadt wurde zum Transitghetto für die Vernichtungslager. Von März bis Juni 1942 wurden 17.000 ausländische Juden nach Izbica deportiert. Hinzu kamen einige hundert polnische Juden. Am 2. November 1942 verließ der letzte Deportationszug in ein Vernichtungslager den Bahnhof von Izbica. 

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Kurz vor der Grenze zur Ukraine liegt Zamość. Seit 1992 ist die Altstadt mit ihrem Baustil der Renaissance ein Weltkulturerbe der UNESCO. 

In der NS-Zeit war Zamość jedoch vor allem ein weiterer Ort des Schreckens. Vor dem zweiten Weltkrieg waren fast 2/3 der Bevölkerung jüdischen Glaubens, heute gibt es hier - wie in vielen Teilen der Region - keine aktive jüdische Gemeinde mehr. Denn ab April 1940 besetzte die SS die Stadt und vertrieb zunächst bis Mai 1941 alle Juden aus der Stadt ins benachbarte Ghetto von Nowa Osada.

Nachdem am 11. April 1942 mehrere Tausend Einheimische in die Vernichtungslager deportiert worden waren, wurde Zamość zum Ziel für Transporte aus dem Westen - darunter auch des Dortmunder Zuges, der Zamość am 3. Mai 1942 erreichte. Ein Teil wurde recht bald in die Vernichtungslager weiter deportiert, andere kamen zum Arbeitseinsatz.

Ruth Schragenheim aus Hamm, die im Dortmunder Zug deportiert wurde, schrieb in einem Brief an Zuhause: "...uns geht es nicht sehr gut und wir sind von unserer lieben Mama getrennt. Sie ist schon 3 Wochen von uns fort und haben wir noch keine Nachrichten. Man kann den ganzen Tag weinen und könnt Ihr Euch gar nicht in unsere Notlage versetzen."

An der ehemaligen Rampe abseits der Bahngleise legte unsere Gruppe an unserem zweiten Tag zum Gedenken an die Opfer Blumen nieder. 

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Ein Ort, der nichts als den Tod bot. Das war das Vernichtungslager Belzec. Seit dem Jahr 2004 erinnert hier ein gewaltiges Monument an das Verbrechen, bei dem zwischen März 1942 und Dezember 1942 - innerhalb von gerade mal sechs Monaten - mindestens 430.000 Menschen ihr Leben verloren.

Hier dürfte auch ein Großteil jener Zuginsassen umgekommen sein, deren Weg wir auf dieser Reise ganz besonders nachvollziehen wollen. Jene 800 aus dem Regierungsbezirk und der Stadt Dortmund. In der Gedenkstätte erinnert der in Eisen gegossene Stadtname "Dortmund" an die Opfer. Rund um die Lagerfläche - die mehrere Fußballfelder misst - sind solche Städtenamen verteilt. Für alle Herkunftsstädte, aus denen Menschen nach Belzec kamen. Im Abstand von wenigen Metern. In Kombination mit Hunderttausenden Steinen versinnbildlicht dies ein wenig, welch grausame Taten hier verübt wurden. 

Die aber wohl eindrücklichste Erscheinung an diesem Ort ist der "Schlauch". Er führte die Juden direkt in die am Ende dieses Weges gelegenen Gaskammern. Heute schneidet dieser gepflasterte, 150 Meter lange Weg das Mahnmal in zwei Hälften. Je tiefer man den Weg geht, desto höher steigen die Betonwände rechts und links an, bis sie irgendwann mehrere Meter hoch sind und die Ausweglosigkeit der Opfer ganz deutlich machen. 


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Ein Konzentrationslager, 19 Stunden, 18.000 Tote -  kalte Zahlen, die kaum begreifbar machen, was an diesem 3. November 1943 im KZ Majdanek vor sich ging. 

Die Nazis wollten die "Aktion Reinhardt" zu Ende bringen. Alle Juden aus dem besetzten Ostgebiet, dem s.g. Generalgouvernement, sollten "vernichtet" werden. In einer letzten großen Aktion unter dem Decknamen "Erntefest" wurde daher die Erschießung aller Juden in der Region angeordnet.

Das KZ Majdanek schrieb an diesem Tag traurige Geschichte. Nirgendwo kamen mehr Menschen an einem Tag um, als hier zwischen dem Morgen des 3. Novembers und der Nacht zum 4. November.

Schon Tage vorher mussten die Juden die späteren Massengräber ausheben. Die Aktion selbst begann dann um acht Uhr am Morgen. Bis in die Nacht wurde fast das gesamte Lager ausgelöscht, nur rund 600 Juden und Jüdinnen überlebten. Die Frauen hatten die Aufgabe die Kleider und Wertgegenstände der Ermordeten zu sortieren. Die Männer mussten die Leichen verbrennen.  

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Bildungsfahrt15 sobibor 35
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Was wie ein schöner Spazierweg durch die Natur wirkt, ist in Realität ein Ort des Gedenkens, der Trauer. Sobibor. Ein tristes Areal zwischen Bahnhof, Feld und Wald - das war früher das Vernichtungslager. Heute erinnert nicht viel daran, dass hier zwischen April 1942 und Oktober 1943 bis zu 250.000 Menschen ermordet wurden, darunter vor allem deportierte Juden aus Westeuropa.

Einige Gedenktafeln am Anfang des Waldwegs erinnern an die Verbrechen. Entlang des Weges haben Vereine, Organisationen aber vor allem Hinterbliebene Gedenksteine aufgestellt. So wie die Naturfreunde Dortmund, die hier an Gertrude Poppert erinnern, die 1943 in Sobibor umkam. 

Zuvor aber war Poppert maßgeblich daran beteiligt, dass am 14. Oktober 1943 immerhin knapp 50 Gefangene den Holocaust in Sobibor überleben konnten. Der Aufstand im Lager ging in die Geschichte ein. Zwölf SS-Aufseher kamen ums Leben, als sie jenem Tag von Insassen attackiert wurden. Den Aufständischen gelang es, die Lagerabsperrungen zu überrennen. Mehr als 300 gelang die Flucht in den Wald, viele kamen jedoch bei der Flucht durch Schüsse von den Lagertürmen und Minen, die  rund um das Lager ausgelegt waren, ums Leben.  Es wird vermutet, dass Gertrude Poppert diesen Aufstand mitinitiierte, ihn jedoch nicht überlebte.
Auch für sie legte die BVB-Gruppe Blumen ab und gedachte ihr. 

Am Ende des "Wegs der Erinnerung" kommt man in jenen Bereich, wo sich früher den Lagerbereich III befand - die Gaskammern und Krematorien. Archäologen konnten Reste der durch die Nazis nach dem Aufstand zerstörten Anlagen wieder ausgraben. Unmittelbar neben den Vernichtungsräumen finden sich Felder und Wald, in denen die Asche der Opfer von den Nazis verschüttet wurde. 

Ein Großteil der archäologischen Funde ist mittlerweile wieder vergraben worden. In Sobibor soll in den kommenden Jahren eine große Gedenkstätte entstehen. Aktuell stockt dieser Prozess jedoch, da es Unstimmigkeiten zwischen den Planern, der polnischen Regierung und der zentralen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel gibt.  






Bildungsfahrt15 sobibor 35
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Übersicht

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Kapitel 1 Die Reise

Bildungsfahrt15 belzec 33
Kapitel 2 Lublin

Bildungsfahrt15 lublin 40
Kapitel 3 Izbica

Bildungsfahrt15 izbica 16
Kapitel 4 Zamosc

Bildungsfahrt15 zamosc 14
Kapitel 5 Belzec

Bildungsfahrt15 belzec 26
Kapitel 6 Majdanek

Bildungsfahrt15 majdanek 49
Kapitel 7 Sobibor

Bildungsfahrt15 sobibor 35
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